Marktkommentar von Mark Dowding „Die Liquiditätsflut könnte zur Inflation der Vermögenspreise führen“

Kommt die wirtschaftliche Erholung tatsächlich in Schwung, dürften die Anleger rasch von Angst auf Gier umschalten, so Mark Dowding, Chief Investment Officer bei BlueBay Asset Management.

03.07.2020 - 10:2903.07.20 - 15:45
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HMM Algeciras verlässt den Hamburger Hafen
HMM Algeciras verlässt den Hamburger Hafen: Die Umkehrung der Globalisierung sowie die Umleitung der Kapitalströme könnte eine Reihe von Ländern in die Bredouille bringen, so Dowding© imago images / Markus Tischler

Sollte die für die zweite Jahreshälfte 2020 erwartete neue Infektionswelle weniger gravierend ausfallen als erwartet und sollten sich rasche Fortschritte bei der Entwicklung von Impfstoffen erzielen lassen, fällt die wirtschaftliche Erholung mit der massiven Unterstützung der expansiven Finanz- und Geldpolitik zusammen. In diesem Szenario könnte die Liquiditätsflut zu einer Inflation der Vermögenspreise führen, da die Anleger von Angst zu Gier übergehen und die Zentralbanken ein gewisses Maß an Marktüberschwang tolerieren, um die horrende wirtschaftliche Flaute auszugleichen, die sich in den Monaten der Lockdowns einstellte.

Ein Rückschlag bei der Entwicklung von Impfstoffen ist jedoch nach wie vor möglich. In diesem Fall könnte der jüngste wirtschaftliche Aufschwung ein Strohfeuer gewesen sein und die Hoffnung auf eine V-förmige Erholung schnell in ein W oder sogar ein L umschlagen. In vergangenen Rezessionen wurden die Markttiefs erst einige Monate nach Beginn des Abschwungs erreicht. Bemerkenswert ist, dass die jüngsten Kursanstiege bei US-Aktien mit einer starken Beteiligung von Privatanlegern zusammenfielen. Sie lassen sich von den Machern der Robinhood-Plattform um Dave Portnoy und anderen locken, die eine Bullenmarkt-Mentalität vertreten und die Besessenheit professioneller Anleger von Begriffen wie Bewertungen und Fundamentaldaten verspotten. Die Märkte neigen jedoch dazu, sehr unfreundlich zu dieser Art von Day Tradern zu sein, wie sich bei der Dotcom-Pleite und im nachfolgenden Jahrzehnt zeigte.

Dessen ungeachtet fällt positiv auf, dass viele Schwellenländer in den vergangenen Monaten in der Lage waren, geld- und fiskalpolitische Stimulierungsmaßnahmen zu ergreifen. Daher scheinen die Befürchtungen, dass Covid-19 ein Auslöser für eine neue Schwellenländer-Krise sein könnte, übertrieben zu sein. Dank ihrer jüngeren Bevölkerung sind viele Schwellenmärkte besser in der Lage, die Pandemie zu überstehen – doch mit Blick in die Zukunft befürchten wir, dass eine Umkehrung der Globalisierung und eine Umleitung der Kapitalströme in den kommenden Quartalen eine Reihe von Ländern in Schwierigkeiten bringen könnte.