Bitcoin und Co. im Sinkflug Massive Verluste bei Kryptowährungen – das müsst ihr wissen

Dass Kryptowährungen stärker schwanken als die meisten anderen Anlageklassen, ist bekannt. Zuletzt brachen die Kurse am Kryptomarkt aber dramatisch ein - nachdem sie bereits seit Wochen mehr gesunken als gestiegen sind. Bei uns erfahrt ihr die Gründe für den Krypto-Crash und wie es dieses Jahr weitergehen könnte.

Zuletzt ging’s abwärts
Zuletzt ging’s abwärts: Kryptowährungen wie Bitcoin und Ethereum haben in den vergangenen Wochen stark an Wert verloren © Imago Images / onemorepicture

Kurseinbrüche tun weh – und bei Kryptowährungen kann es über Nacht dramatisch nach unten gehen: Am 24. Januar ist der Bitcoin-Kurs sogar kurzzeitig unter die 30.000 Euro-Marke gefallen. Zur Erinnerung: Im November vergangenen Jahres kratzte er noch an den 60.000 Euro. Seither ging es jedoch stetig nach unten – bis aus der Talfahrt ein echter Crash wurde.

Wie stark der Markt gebeutelt wurde, zeigt die Entwicklung der Marktkapitalisierung aller Kryptowährungen und Token. Laut CoinMarketCap lag sie im September 2021 noch bei rund 2,6 Billionen Euro. Bis zum 25. Januar ist sie auf 1,46 Billionen Euro gesunken. Anders gesagt: Der Markt hat über 40 Prozent seines Wertes verloren. Der in den USA aufgelegte ProShares Bitcoin Strategy-ETF (ISIN: US74347G4405) hat in den vergangenen sechs Monaten ebenfalls über 40 Prozent seines Wertes eingebüßt.

Die Laune am Markt ist daher logischerweise alles andere als gut: Der Fear & Greed-Index, der die Stimmung von Bitcoin-Investoren abbildet, lag am 25. Januar 2022 bei 12. Und damit ganz klar im roten Bereich. Das heißt: Die Angst geht um.

Krypto-Nachfrage der Instis verschärft die Schwankungen

Sören Hettler, Senior Analyst Devisen und Deputy Head of FX Strategy bei der DZ Bank AG, beschreibt die Entwicklung des Kryptomarktes der vergangenen Wochen in einem Bericht als Resultat einer zunehmenden Bedeutung der Assetklasse unter professionellen Investor:innen. Diese haben ihre Engagements im vergangenen Jahr stark ausgebaut. Bei steigender Unsicherheit neigen sie aber tendenziell dazu, den Anteil der Kryptoassets an ihren Portfolien zu verkleinern.

Alles andere als positiv dürften auch Nachrichten aus Russland auf den Kryptomarkt gewirkt haben: Am 20. Januar hat sich die Zentralbank des Landes für ein generelles Verbot des inländischen Kryptohandels und Minings ausgesprochen.

Zinserhöhungen als Risiko für Kryptowährungen

Was ist nur los? Schon in den Monaten vor dem Crash sind die Kurse stetig gesunken. Mögliche Erklärungen für diese Entwicklung gibt es viele. „Einer der Hauptgründe ist die Tatsache, dass die Federal Reserve die Zinsen erhöhen wird – und angesichts der Inflation in den USA vielleicht öfter und höher als bisher gedacht“, sagt Hartmut Giesen, Krypto-Experte von der Sutor Bank. Mark Dowding, Chief Investment Officer bei Bluebay Asset Management, rechnet beispielsweise mit bis zu vier Zinserhöhungen der US-Notenbank in diesem Jahr.

Eher weniger relevant für den Crash sind aus Giesens Sicht die Unruhen in Kasachstan, einem der aktuell wichtigsten Standorte für Krypto-Miner. Die schwierige Lage im Land bewertet Giesen „ähnlich wie die Situation in China, als dort für zwei Wochen das Mining verboten wurde“. Er sagt: „Wenn es Anfang des Jahres nur die Probleme in Kasachstan gegeben hätte, wäre es nur ein kurzer Dip gewesen.“ Die Kryptowirtschaft braucht aus Sicht des Experten „in der Regel zwei bis drei Wochen, bis sie ihre ausgefallenen Kapazitäten wieder aufgeholt hat“.

Markt für Kryptowährungen könnte stabiler werden

„Generell sind Investitionen in Kryptowerte eine Technologieinvestition“, erklärt Giesen. Daher leiden die Kurse, wenn die Zinsen angehoben werden. „Kryptowerte sind aktuell nicht entkoppelt von den Aktienmärkten, auch wenn sie lange als nicht korrelierte Anlageklasse betrachtet wurden.“ In der Vergangenheit haben auch immer mal wieder Tweets von Elon Musk bei Währungen wie Shiba Inu oder Dogecoin für willkürliche Kurssprünge gesorgt. Und Kryptowährungen sind als Anlageklasse generell noch sehr jung und schwanken sehr stark.

Manche Expert:innen gehen davon aus, dass der Markt durch den ersten, in den USA aufgelegten Bitcoin-ETF und den Einstieg immer mehr institutioneller Investoren langsam erwachsen wird. Das sieht auch Giesen so: „Die Volatilität auf dem Markt wird bleiben, aber die Wellentäler werden weniger tief und Abstürze ins Bodenlose sind künftig eher weniger zu erwarten“.

In der Kryptowelt selbst gibt der Bitcoin-Kurs die Richtung für die anderen digitalen Währungen vor. Wenn er abstürzt, sinken aktuell auch die Kurse der meisten anderen digitalen Währungen. „Und das, obwohl sie in ihrer Anwendung gar keine Berührungspunkte haben“, so Giesen. Diese Abhängigkeit werde sich künftig aber verringern, „da sich Investor:innen anhand von Fundamentalanalysen den Use-Case der einzelnen Währungen genauer anschauen und gezielter in einzelne Kryptowährungen investieren“.

Kryptowährungen sind noch ein Nischenmarkt

Wie es am Markt für Kryptowährungen weitergeht? Schwer zu sagen. „Von den Fundamentaldaten rund um die Blockchain ist der Kryptomarkt, was das Wachstum der Nutzer, Anwendungen und Wallets angeht, auf einem All-Time-High“, sagt Martin Leinweber, Krypto-Experte und Autor des Buchs „Asset-Allocation mit Kryptoassets“.

Der gesamte Kryptomarkt hatte am 13. Januar laut CoinMarketCap eine Marktkapitalisierung von 1,8 Billionen Euro. Das klingt nach viel. Verglichen beispielsweise mit dem weltweiten Aktienmarkt ist der Bereich aber noch eine Nische, erklärt Leinweber. Bitcoin werde gerne mal als digitale Alternative zum Gold gesehen. Aber auch hier fallen die Größenunterschiede noch sehr deutlich aus. Das Edelmetall hat derzeit laut Leinweber eine Marktkapitalisierung von rund 10 Billionen US-Dollar, beim Bitcoin waren es am 13. Januar gerade mal um die 0,7 Billionen Euro. „Da sieht man, wo die Reise für den Bitcoin noch hingehen könnte“, so Leinweber.

Kryptoinvestments können als Beimischung Sinn machen

In diesem Jahr werden NFTs, die vor allem auf der Ethereum-Blockchain laufen, ein Trendthema auf dem Kryptomarkt bleiben. „Sie werden künftig überall dort, wo es um digitale Identitäten oder Unikate in Medien beziehungsweise Entertainment geht, eine große Rolle spielen“, sagt Giesen. Auch das Web3 ist aus seiner Sicht ein längerfristiger Krypto-Trend, beispielsweise in Form von dezentralen Social-Media-Plattformen, die über Blockchains organisiert werden. Giesen: „Das wären allerdings dicker zu bohrende Bretter als NFTs auf den Markt zu bringen.“

Trotz der hohen Volatilität kann für Anleger:innen ein Krypto-Investment über einen Zeitraum von fünf bis zehn Jahren interessant sein, meint Leinweber. „Wenn Anleger Kryptos als Beimischung zu ein bis fünf Prozent in ihr Portfolio integrieren, können sie die Volatilität gut aushalten“, ist er überzeugt und empfiehlt dafür einen monatlichen Sparplan.

Wenn Expert:innen raten, die Ruhe zu bewahren, klingt das meist leichter als es in der Praxis ist. Gerade bei Kryptowährungen, die von einem Tag auf den anderen auch mal zweistellig einbrechen können. Bisher zumindest folgte nach jedem Crash aber eine Erholung. Am 25. Januar ist der Bitcoin-Kurs nachmittags zeitweise um knapp 9 Prozent gestiegen. Das lässt hoffen.