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China treibt den Bau von Solaranlagen energisch voran

Schwellenländer Nachhaltig investieren in China – geht das?

China gilt als größter Klimasünder weltweit, will das aber ändern. Eine Abkehr vom Kohlestrom scheint dennoch nicht in Sicht. Bei den Unternehmen rückt der ESG-Trend derweil immer stärker ins Bewusstsein – Herausforderungen aber bleiben.

12.05.2021 - 14:38 Uhr | in Nachhaltigkeit

Was denn nun? Auf der eine Seite will China bis 2060 klimaneutral werden, auf der anderen Seite schießen neue Kohlekraftwerke wie Pilze aus dem Boden. Doch nicht nur deswegen fragen sich viele nachhaltig orientierte Anleger, ob das Reich der Mitte aus ESG-Sicht überhaupt eine Investmentoption ist. Dazu kommen noch regelmäßige Berichte über Menschenrechtsverletzungen und zum Teil miserable Arbeitsbedingungen.

Fakt ist: Von seinen ambitionierten Klimaschutzzielen ist China noch weit entfernt. Derzeit ist das Land für 28 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich – das sind mehr als die USA und Europa zusammen.

Obwohl die Kosten für Wind- und Solarenergieanlagen weiter sinken, ist der klimafreundliche Umbau der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt mit enormen Ausgaben verbunden. Experten gehen davon aus, dass bis 2060 Investitionen zwischen umgerechnet 6 und mehr als 16 Billionen US-Dollar benötigt werden, um das ambitionierte Klimaziel zu erreichen. Das bedeutet, dass jährlich mindestens 163 Milliarden US-Dollar in den Klimaschutz fließen müssen.

Erneuerbare Energien auf dem Vormarsch

Tatsächlich schreitet der Ausbau erneuerbarer Energien mit großen Schritten voran: Der Zubau von Photovoltaik-Leistung war mit zusätzlichen 48,2 Gigawatt (GW) Leistung 2020 60 Prozent höher als im Vorjahr. China treibt den Bau von Solaranlagen energisch voran und ist in diesem Bereich weltweit führend. Zum Ende des Jahres 2020 waren insgesamt 253,4 GW Photovoltaik-Leistung installiert. Außerdem wurden im vergangenen Jahr Windkraftanlagen mit einer Kapazität von knapp 72 GW errichtet. Das ist fast dreimal so viel wie 2019, wie die chinesische Energiebehörde nach vorläufigen Daten mitgeteilt hat.

Nun kommt jedoch das große Aber: Massive Investitionen fließen auch in fossile Energieträger. Knapp die Hälfte aller weltweit geplanten neuen Kohlekraftwerke sollen in China gebaut werden. Im Reich der Mitte deckt Kohleenergie aktuell fast 60 Prozent des Strombedarfs ab. Die Kohleförderung erreichte 2020 mit 3,84 Milliarden Tonnen ein neues Hoch – damit wurde erstmals seit 2013 wieder einen Anstieg verzeichnet.

ESG-Trend ist bei den Unternehmen angekommen

Während auf staatlicher Seite also eine gewisse Furcht vor der eigenen Courage vorzuherrschen scheint, sind viele Unternehmen bereits einen Schritt weiter. Immer mehr Firmen werden sich ihres ökologischen Fußabdrucks bewusst. Sie erkennen, dass die Umsetzung entsprechender Maßnahmen das Image der Marke, die Kundentreue und den Aktienkurs aufpolieren kann. Zudem sind viele chinesische Unternehmen bereit, Informationen über ihren Umgang mit Mitarbeitern und Lieferanten offenzulegen. Ebenso dürfte die auf EU-Ebene eingeführte Sustainable Finance Disclosure Regulation, kurz: SFDR, die nachhaltigkeitsbezogene Offenlegungspflichten für Investmentfonds vorsieht, auch in China für Diskussionen sorgen.

Studien belegen steigenden Stellenwert

Dass die Offenlegungsanforderungen durch Regulatoren weltweit und der Druck seitens der Investoren Wirkung zeigen, bestätigt Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan Asset Management in Frankfurt: „Wachstum und Nachhaltigkeit können durch sorgfältige Unternehmensanalysen in Einklang gebracht werden.“ Es gebe inzwischen eine große Anzahl von Unternehmen, die vom schnellen Wachstum in ihren lokalen Märkten profitieren, aber gleichzeitig globale ESG-Standards erfüllen wollen.

Auch die jüngste Studie von Fidelity belegt eine größere Bereitschaft von Unternehmen, mehr und bessere Daten offenzulegen. In China ist die Offenlegung von ESG-Informationen bislang noch nicht verpflichtend. Allerdings stellen immer mehr börsennotierte Unternehmen diesbezügliche Informationen freiwillig zur Verfügung. „2019 machten 945 Firmen aus Festlandchina Angaben zu ihrer ESG-Bilanz in Berichten zur unternehmerischen Verantwortung. Das sind mehr als ein Viertel der Unternehmen, die A-Aktien emittiert haben. Gegenüber 801 Unternehmen im Jahr 2017 ist das ein Anstieg um 18 Prozent.“

Spezielle ESG-Fonds mit Schwellenländerfokus

Es zeichnet sich also ab, dass auch in China und anderen Schwellenländern das Bewusstsein für ESG-Kriterien steigt. Der Transformationsprozess, in dem sich schwächer entwickelte Länder in Bezug auf Nachhaltigkeitsstandards befinden, ist jedoch in einem sehr frühen Stadium. Dennoch sind Investments in Schwellenländern auch unter Berücksichtigung von ESG-Gesichtspunkten möglich. Zwar unterscheiden sich Daten und Ergebnisse im Vergleich zu den Industrieländern – wo es ebenfalls noch Verbesserungspotenzial gibt – in der Qualität und der Abdeckungsbreite, doch beides verbessert sich kontinuierlich.

Umso mehr kommt es darauf an, bei der Auswahl der Investmentziele genau hinzuschauen. Da für Privatanleger ein tieferer Einblick auf Unternehmensebene gerade in den Schwellenländern kaum möglich ist, sind aktiv gemanagte Investmentfonds eine interessante Alternative. Wir zeigen exemplarisch drei Fonds aus unserem Fondsexplorer, die unter Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsfaktoren in den aufstrebenden Volkswirtschaften investieren.  

  • Vontobel Fund - mtx Sust. Asian Leaders Ex Japan A-USD (ISIN: LU0384409180). Der Fondsmanagement investiert vornehmlich in Aktien und aktienähnliche Wertpapiere von Gesellschaften mit Sitz und/oder Geschäftsschwerpunkt im asiatischen Raum (ohne Japan), die zu einer nachhaltigen Wirtschaftsweise beitragen. Alle Anlagen werden anhand von Nachhaltigkeitskriterien bewertet,wobei für die Aufnahme feste Schwellenwerte gelten. Der Fonds ist nach Artikel 8 der SFDR-Verordnung kategorisiert. Rendite über die vergangenen fünf Jahre: Rund 102 Prozent.
  • Fidelity Funds - Sustainable Asia Equity Fund A Acc (EUR) (ISIN: LU0261946445). Das Fondsmanagement investiert zu mindestens 70 Prozent in Aktien von Unternehmen, die an Börsen in Asien (ohne Japan) notiert sind. Es berücksichtigt stets eine Vielzahl von ökologischen und sozialen Anforderungen, zu denen beispielsweise Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel, Wasser- und Abfallmanagement, Biodiversität, Produktsicherheit, Lieferkette, Gesundheit und Sicherheit sowie die Menschenrechte gehören. Rendite über die vergangenen fünf Jahre: Etwa 99 Prozent.
  • DWS ESG Top Asien LC (ISIN: DE0009769760). Das Fondsmanagement investiert in Aktien von 50 Unternehmen des asiatisch-pazifischen Raums inkl. Japan, die sich nach Einschätzung des Fondsmanagements durch eine solide Finanzbasis, langfristige Ertragsstärke, starke Marktstellung und gute Wachstumsperspektiven auszeichnen. Bei der Auswahl der Anlagen werden auch ökologische und soziale Aspekte und die Grundsätze guter Unternehmensführung (Environmental, Social und Corporate Governance - ESG -Aspekte) berücksichtigt. Rendite über die vergangenen fünf Jahre: Knapp 78 Prozent.
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