Wachsende NachfrageWarum Tanken noch teurer wird

Nach der Bundestagswahl im September wird es an den Tankstellen noch einmal teurer, erwartet Robert Greil, Chefstratege bei der Privatbank Merck Finck. Neben den Umweltambitionen der großen Parteien spiele dabei vor allem die wirtschaftliche Erholung eine entscheidende Rolle.

29.06.2021 - 12:56 Uhr29.06.21 12:56
|
|
|
Kein Tank-Vergnügen
Kein Tank-Vergnügen: Aktuell kostet der Liter Super-Benzin in Deutschland im Durchschnitt mehr als 1,50 Euro. Schon bald dürfte es noch einmal teurer werden © IMAGO / ANP

Die großen Parteien in Deutschland wollen die Preise für Benzin und Diesel künftig erhöhen. Schon jetzt muss man im Durchschnitt für einen Liter Super-Benzin mehr als 1,50 Euro auf den Tisch legen. Doch dabei wird es nicht bleiben. Schon in diesem Sommer werden die Spritpreise voraussichtlich weiter steigen.

Schuld am Preisauftrieb, der sich auch auf die Gesamtinflation auswirken werde, sei die Verteuerung des Rohöls an den Weltmärkten, erklärt Robert Greil, Chefstratege bei der Privatbank Merck Finck. Denn: Der Preis für ein Barrel Öl (159 Liter) der Sorte Brent ist im Juni über 70 US-Dollar geklettert. Derzeit liegt er bei knapp 74 US-Dollar. Schätzungen zufolge wird er bis Ende des Jahres sogar auf 80 US-Dollar je Barrel steigen.

Steigende Nachfrage, unzureichendes Angebot

Greil sieht hierfür verschiedene Gründe. Mit der verbreiteten Aufhebung beziehungsweise Lockerung der Corona-Restriktionen ziehe die Ölnachfrage nicht nur beim Güterverkehr, sondern auch in der Reisebranche wieder an – und zwar sowohl in den USA als auch in Europa und Asien. Zudem dürfte sich in Indien nach dem Abklingen der Pandemie eine stärkere Wirtschaftsdynamik mit einer wesentlich höheren Ölnachfrage entfalten.

Aus Sicht von Greil spielen Nachholeffekte ebenfalls eine entscheidende Rolle. Da die Lieferkapazitäten aufgrund der Förderdisziplin der OPEC-Staaten, aber auch durch die immer noch überschaubare Schieferölproduktion begrenzt seien, treffe die anziehende Nachfrage auf ein insgesamt unzureichendes Angebot. Hinzu komme, dass das Risiko neuer US-Sanktionen nach der iranischen Präsidentenwahl den Ölpreis weiter in die Höhe treiben könnte.