Klimaschutz Die Krux der E-Mobilität

Der Markt für E-Autos boomt. Aber sind Stromer und Plug-in-Hybride wirklich so sauber, wie es den Anschein hat? Darüber hat sich Nina Lagron, Fondsmanagerin bei La Française Asset Management, Gedanken gemacht.

Plug-in-Hybrid-Sportwagen von BMW
Plug-in-Hybrid-Sportwagen von BMW: Ob Elektrofahrzeuge wirklich dem Klima helfen, kommt auf die Art des genutzten Stroms an© IMAGO / Hartenfelser

Die Europäische Union ist auf dem besten Weg, die globale Erwärmung auf unter 2 Grad Celsius zu verringern. Mithilfe einer ehrgeizigen Gesetzgebung sollen die CO2-Emissionen bis 2030 um mindestens 60 Prozent gegenüber dem Stand von 1990 gesenkt werden. Das EU-Klimagesetz geht noch weiter und empfiehlt ein rechtlich verbindliches Ziel von Netto-Null-Emissionen bis 2050. Weitere vom EU-Parlament festgelegte CO2-Emissionsstandards für Pkw und Transporter traten bereits am 1. Januar 2020 in Kraft.

In Zusammenhang mit dieser Gesetzgebung erlebt der europäische Markt einen E-Auto-Boom. Die Verkäufe neuer vollelektrischer Fahrzeuge und Plug-in-Hybride steigen stetig.

Umweltauswirkungen

Der weltweite Verkehr war 2020 für etwa 24 Prozent des Kohlendioxidausstoßes verantwortlich, das berichtet die Internationale Energieagentur (IEA). Angesichts des Potenzials und der entsprechenden Auswirkungen auf die globalen Emissionen ist die Weiterentwicklung von Technologien für das Erreichen der Klimaziele von entscheidender Bedeutung.

„Um eine fundierte Entscheidung treffen zu können ist es jedoch wichtig, sich nicht von dem Versprechen blenden zu lassen, dass von E-Autos keine Emissionen ausgehen. Vielmehr sollten alle Quellen von Treibhausgasemissionen berücksichtigt werden, die aus direkten und indirekten Quellen der CO2-Verschmutzung resultieren und als Scope 1, 2 und 3 Emissionen bezeichnet werden“, gibt Nina Lagron, Fondsmanagerin bei La Française Asset Management, zu bedenken. Scope 1 umfasst alle direkt durch die Verbrennung fossiler Energieträger verursachten Emissionen, Scope 2 umfasst die mit eingekaufter Energie verursachten Emissionen (Elektrizität, Fernwärme). Scope 3 umfasst Emissionen, welche durch erworbene Vorleistungen und Dienstleistungen Dritter verursacht werden.

Die Studie „Net emission reductions from electric cars and heat pumps in 59 world regions over time“ bestätigt, dass sich die Weiterentwicklung der E-Mobilität angesichts der CO2-Einsparungen gegenüber Verbrennern lohnt. Allerdings wirkt sich die Stromquelle auf die Emissionen des Elektrofahrzeugs aus, die je nach geografischem Gebiet und der Verwendung bestimmter Energiequellen variieren.

In einer Studie des Ifo-Instituts heißt es beispielsweise, dass Elektrofahrzeuge unter Berücksichtigung der Batterieproduktion und des deutschen Energiemixes sogar mehr CO2 erzeugen als Dieselfahrzeuge. Es gibt also Unterschiede je nach Land und Energieträger.

Ton verschärft sich in der Klimadebatte

Darüber hinaus verschärft sich die Debatte je nach verwendeter Technologie. „Klimabewusste Verbraucher sollten sich vor Übertreibungen hüten“, betont Lagron. Laut der jüngsten Studie von Transport & Environment (11/2020) erzeugten beispielsweise drei der beliebtesten Plug-in-Hybrid-Fahrzeuge (PHEVs), die 2019 verkauft wurden, unter optimalen Testbedingungen 28 bis 89 Prozent höhere Emissionen als beworben. „Plug-in-Hybrids (PHEV) rühmen sich mit niedrigen CO2-Emissionen, die in der Regel nicht mehr als ein Drittel eines herkömmlichen Autos mit Verbrennungsmotor betragen.“

Doch die drei getesteten Fahrzeuge verfehlten alle ihre versprochenen CO2-Einsparungsziele, selbst wenn sie mit einer vollgeladenen Batterie starteten. Beim Start mit einer leeren Batterie wurden die Ziele sogar noch weiter verfehlt: Die Emissionen waren bis zu achtmal höher als angegeben.

Neue Green-Finance-Regelungen könnten Herstellern, die PHEVs als „nachhaltige Investitionen“ anpreisen, bereits 2026 einen Riegel vorschieben. „Das könnte den Übergang zu vollelektrischen Fahrzeugen beschleunigen und Europa dem Klimaziel näherbringen“, sagt Lagron. Einige vorausschauende EU-Mitgliedsstaaten haben PHEVs bereits von Steuervergünstigungen ausgeschlossen, was zu einem Anstieg der Verkäufe von reinen Elektrofahrzeugen führte.

„Nichtsdestotrotz sollte berücksichtigt werden, dass der Übergang zu Elektrofahrzeugen nicht immer Treibhausgase verringert, da die Stromerzeugung noch nicht klimaneutral ist“, so de Fondsmanagerin. Daher sei eine genaue Bewertung der Scope 1-, 2- und 3-Emissionen über den gesamten Lebenszyklus des Fahrzeugs unerlässlich.

Über die Hersteller von Elektroautos und ihre Fähigkeit, positiv und im gewünschten Tempo zur Begrenzung der globalen Erwärmung auf deutlich unter 2 Grad Celsius beizutragen, muss dementsprechend von Fall zu Fall entschieden werden. Die Verfügbarkeit von genauen Daten ist dafür entscheidend.