Regelmäßige Erträge Dividenden gegen die Zinssorgen

Die aktuelle Inflationsrate von mehr als 5 Prozent in Deutschland sowie die anhaltend niedrigen Zinsen stellen Anleger:innen vor großen Herausforderungen. Wer Wert auf laufende Erträge legt, könnte auf Dividendenaktien setzen. Experten erläutern, worauf es dabei zu achten gilt. Plus: Dividenden-ETFs für verschiedene Regionen.

03.03.2022, aktualisiert 08.03.2022 - 09:4808.03.22 - 09:48
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Allianz Arena in München
Allianz Arena in München: Im europäischen Dividenden-ETF von State Street Advisors gehört der deutsche Versicherungskonzern zu den größten Positionen © Imago Images / Passion2Press

Die Inflation ist weiterhin hoch, die Zinsen sind nach wie vor niedrig. Im Februar lag die Inflationsrate in Deutschland laut einer vorläufigen Schätzung des Statistischen Bundesamts bei 5,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Die Zinsen für Tagesgeld liegen laut FMH-Index der FMH-Finanzberatung im Schnitt bei 0,02 Prozent. In anderen Worten: Die Inflation frisst das Vermögen immer gieriger auf.

Zinsen gibt es de facto nicht, Sparprodukte sind ein Verlustgeschäft. Was also tun?

„Im gegenwärtigen Niedrigzinsumfeld mit geringen Anleiherenditen und Nullzinsen auf dem Sparbuch sind Anleger auf der Suche nach regelmäßigen Einnahmen. Gewinnausschüttungen von Dividendenaktien sind hierzu eine gute Möglichkeit“, erklärt Martijn Rozemuller, Geschäftsführer beim Asset Manager VanEck Europe.

Die Experten von EB-SIM, dem Asset-Management-Zweig der Evangelischen Bank, ergänzen: „Mit Dividenden können Investoren – neben der Kursentwicklung der Aktien – auf eine weitere Weise am wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens partizipieren. Gerade in volatilen Börsenphasen kann dieser zusätzliche Renditelieferant auch als Risikopuffer fungieren und das Portfolio insgesamt weniger schwankungsanfällig machen.“

Es kommt nicht nur auf die Dividendenhöhe an

Bei der Auswahl sollten Anleger:innen aber nicht nur die Höhe der Dividende betrachten, erläutert Ludwig Palm, Fondsmanager bei Flossbach von Storch:  „Vielversprechend sind Dividendenaristokraten, also Titel von Unternehmen, die ihre Ausschüttungen über 25 Jahre oder länger stetig erhöht haben. Diese Papiere könnten langfristig bessere Chancen bieten als Aktien von Firmen, die besonders hohe Dividenden ausschütten.“ Dividenden seien derzeit die einzige Möglichkeit, bei liquiden Anlageklassen noch auskömmliche, laufende Erträge zu erzielen – auch wenn die Ausschüttungen natürlich nicht garantiert sind, wie Palm zu bedenken gibt.

Bei solchen Unternehmen ist die Dividendenrendite oft ziemlich gering. Der Pharma-Riese Johnson & Johnson oder der Industriekonzern 3M, die beide seit knapp 60 Jahren Dividende an ihre Investor:innen ausschütten, kommen auf einen Wert von 2,5 beziehungsweise 3,5 Prozent. „Anleger sollten auch bei Dividendenaktien immer zweierlei betrachten: die Höhe der Dividenden und die Kursgewinne“, betont Palm.

Dividendenrendite ist nur ein Kriterium

Wer hingegen eine höhere Dividendenrendite haben möchte, der landet beischwierigen Unternehmen oder in schwierigen Branchen“, gibt Palm zu bedenken. „Diese Sektoren liefern aber oft eine niedrigere Gesamtrendite. Die hohe Dividendenrendite kompensiert oft die schwache Wertentwicklung beim Aktienkurs. Meist holen sich Anleger, die sich nur auf die Ausschüttungshöhe fokussieren, viele Problemfälle ins Portfolio“, sagt Palm.

Anleger:innen sollten daher getreu dem Motto investieren: Lieber etwas niedrigere Dividendenrenditen in Kauf nehmen, wenn im Gegenzug die Aussicht auf stetig steigende Dividenden hoch ist.

Dabei ist aber natürlich nicht gänzlich auszuschließen, dass es auch in den „schwierigeren“ Branchen einzelne dauerhaft profitable Unternehmen gibt, die von der betriebswirtschaftlichen Qualität her überzeugen und dennoch sehr hohe Dividenden zahlen.

Palm fasst zusammen:Die Dividendenhöhe ist nur eines von vielen Kriterien.“ Investor:innen sollten ebenfalls die Qualität des Unternehmens mit in die Betrachtung einbeziehen. „Nur profitabel wachsende Unternehmen können eine nachhaltige und über die Zeit steigende Dividende zahlen.“

Dividenden-ETFs für verschiedene Regionen

Für alle, die komfortabel auf eine breite Streuung aus verschiedenen Dividendentiteln setzen möchten, stehen entsprechende Fonds und ETFs zur Verfügung. Wir hatten euch bereits Dividendenfonds mit unterschiedlicher Anlagestrategie vorgestellt.

Wir zeigen euch jeweils einen ETF mit Dividendenfokus für die Regionen USA, Europa, Asien und weltweit.

Dividenden-ETF mit Fokus USA

Quelle Fondsdaten: FWW 2022

Einer der mit einem Fondsvolumen von fast 3,5 Milliarden US-Dollar größten und beliebtesten Dividenden-ETFs ist der SPDR S&P U.S. Dividend Aristocrats ETF (ISIN: IE00B6YX5D40). Er umfasst 114 Unternehmen (Stand: 31. Januar 2022), deren Dividenden in den vergangenen 20 Jahren kontinuierlich gestiegen sind.

Seit Auflage im Oktober 2011 erzielte der ETF eine durchschnittliche jährliche Rendite von 12,7 Prozent. Zu den größten Positionen gehören Exxon Mobil, IBM und Chevron. Die Finanz- und Basiskonsumgüterbranche nehmen die größte Gewichtung im Index ein – grundsätzlich herrscht jedoch eine breite Streuung über verschiedene Branchen hinweg. Die Gesamtkostenquote (TER) liegt bei 0,35 Prozent.

Dividenden-ETF mit Fokus Europa

Quelle Fondsdaten: FWW 2022

Wer am europäischen Markt investieren möchte, der könnte ebenfalls bei State Street Global Advisors fündig werden. Der SPDR S&P Euro Dividend Aristocrats (ISIN: IE00B5M1WJ87) ist so etwas wie die europäische Schwester seines US-Pendants. Er investiert in Aktien von Unternehmen aus der Eurozone, deren Dividenden in den vergangenen zehn aufeinanderfolgenden Jahren gestiegen sind. Im Depot befinden sich aktuell 40 Titel (Stand: 31. Januar 2022).

Seit Auflage erzielte der ETF eine durchschnittliche Rendite von 7,6 Prozent pro Jahr. Zu den größten Positionen gehören Allianz, Münchener Rück und der französische Pharmakonzern Sanofi. Grundsätzlich sind Versorgungs- und Industrieunternehmen sowie die Gesundheitsbranche am höchsten gewichtet. Die Gesamtkostenquote (TER) beträgt 0,3 Prozent. Das Fondsvolumen liegt bei fast 1,2 Milliarden Euro. Die Dividendenerträge werden halbjährlich ausgeschüttet.

Dividenden-ETF mit Fokus Schwellenländer

Quelle Fondsdaten: FWW 2022

Der iShares Emerging Markets Dividend UCITS ETF (ISIN: IE00B652H904) investiert in Unternehmen aus Schwellenländern, die über längere Zeiträume konstant Dividenden zahlen. Im Portfolio befinden sich 91 Positionen (Stand: 31. Januar 2022).

Seit Auflage erzielte der ETF eine durchschnittliche Rendite von 3,44 Prozent pro Jahr. Zu den größten Positionen gehören der indonesische Energieerzeuger Adaro Energy, der Eisenbahntransportdienstleister Globaltrans Investment PLC und die chinesische Beteiligungsgesellschaft China Power International Development Limited. Die Gesamtkostenquote (TER) ist mit 0,65 Prozent höher und das Fondsvolumen mit rund 573 Millionen US-Dollar geringer als bei den für die USA und die Eurozone vorgestellten ETFs.

Dividenden-ETF mit weltweitem Anlageuniversum

Quelle Fondsdaten: FWW 2022

Der Vanguard FTSE All-World High Dividend Yield UCITS ETF (ISIN: IE00B8GKDB10) ist weltweit investiert. Im ETF befinden sich derzeit rund 1.800 Positionen (Stand: 31. Januar 2022). Der Fokus liegt auf großen und mittelgroßen Unternehmen mit einer überdurchschnittlichen Dividendenrendite.

Zu den größten Positionen gehören Taiwan Semiconductor, JP Morgan Chase, Johnson & Johnson und The Home Depot. Die Finanzbranche ist mit fast 26 Prozent am stärksten gewichtet. Es folgen Basiskonsumgüter und Industrie. Die USA sind mit 40 Prozent vertreten. Dahinter rangieren Japan und Großbritannien mit jeweils 7,8 Prozent. Die Gesamtkostenquote (TER) liegt bei 0,29 Prozent. Seit seiner Auflage im Jahr 2013 ist der Wert des ETFs um durchschnittlich 6,26 Prozent pro Jahr gestiegen.

Hinweis: Es handelt sich hierbei um keine Anlageberatung oder Kaufempfehlung. Die Geldanlage am Kapitalmarkt ist mit Risiken verbunden. Aus Wertentwicklungen in der Vergangenheit lässt sich nicht auf künftige Wertentwicklungen schließen. Stand der Fonds-Daten: 03. März 2022.

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