Rentenlücke schließen„ETFs sind ein ausgezeichnetes Mittel für die Altersvorsorge“

Was sind die Stärken von ETFs? Worauf kommt es bei der Auswahl an? Taugen Schwellenländer als Bestandteil der Altersvorsorge und was gehört sonst noch ins Depot? Diese und andere Fragen beantwortet Florian Förster, Senior Sales Manager ETF bei Invesco Deutschland, im Interview.

16.07.2021 - 16:00 Uhr16.07.21 16:00
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Florian Förster
Florian Förster: „China wird in absehbarer Zeit die Vereinigten Staaten von Amerika als größte Wirtschaftsnation der Erde ablösen. Es liegt auf der Hand, dass dies große Chancen für Anleger birgt“ © Invesco

derfonds.com: Herr Förster, was ist für Privatanleger besser geeignet: ETFs oder aktiv gemanagte Fonds?

Florian Förster: ETFs, die einen breiten Markt abbilden, sind zumeist kostengünstiger als aktiv verwaltete Produkte. Wer möglichst breit investieren möchte, etwa in den MSCI World oder den S&P 500, ist mit einem ETF sehr kostengünstig bedient. Denn in diesen Märkten ist es schwer, Informationsvorsprünge gegenüber den anderen Marktteilnehmern zu haben. Es gibt jedoch auch bestimmte Felder, wo die Expertise eines Fondsmanagers einen echten Mehrwert bietet – denken Sie beispielsweise an den Rentenbereich. Im Bereich der thematischen Anlageprodukte hat sich in den vergangenen Jahren viel zugunsten von ETFs entwickelt. Welche Präferenz der Kunde auch hat: Wir bei Invesco bieten sowohl aktive als auch passive Fonds an.

Worauf müssen Anleger bei der Wahl eines passenden ETFs achten? Was macht ein gutes Produkt aus? 

Förster: Die Kostenstruktur spielt eine ganz zentrale Rolle. Hier lohnt es sich, genau zu vergleichen zwischen den verschiedenen Anbietern. Aber Achtung: Der billigste ETF muss nicht automatisch der Beste sein. So gibt es bestimmte thematische ETFs, die etwas mehr kosten als ein Basisprodukt auf einen der großen Standardindizes, jedoch auch die Chance auf eine höhere Rendite bieten. Wichtig ist zudem, ob der ETF synthetisch oder physisch repliziert. Wir haben in Untersuchungen festgestellt, dass synthetische ETFs eine bessere Performance erzielen können als physische. Denn: Über enthaltene Swaps können gezielt Kosten optimiert werden. Beispielsweise müssen swapbasierte ETFs auf US-Aktienindizes wie den S&P 500 oder den MSCI USA keine Quellensteuern auf Dividenden abführen. Das erhöht die Performance der synthetischen ETFs gegenüber rein physischen ETFs.

In welchen Branchen und Regionen sehen Sie aktuell die interessantesten Anlagechancen?

Förster: Über allem steht natürlich das Thema Nachhaltigkeit. Die aus meiner Sicht attraktivsten Anlagechancen finden sich in den Bereichen Blockchain, Clean Energy, Künstliche Intelligenz und digitale Technologien. Regional sehen wir großes Potenzial in China, und hier insbesondere im Bereich Technologie. So bieten wir etwa einen ETF an, der einen Index nachbildet, der auf einer fortschrittlichen Definition von Technologie basiert und Zugang zu innovativen, technologieorientierten chinesischen Firmen aus einem breiten Spektrum von Branchen bietet. Der Fokus liegt also nicht nur auf Computer-Hardware und -Software.

Die Schwellenländer und China gelten als sehr schwankungsanfällig. Würden Sie Privatanlegern dennoch zu einem Investment in diesem Bereich raten?

Förster: Wer in Schwellenländer investiert, braucht einen langen Atem und muss bereit sein, Schwankungen auszuhalten. China wird in absehbarer Zeit die Vereinigten Staaten von Amerika als größte Wirtschaftsnation der Erde ablösen. Es liegt auf der Hand, dass dies große Chancen für Anleger birgt. Klar ist, dass ein Privatanleger nie alles auf eine Karte setzen, sondern regional und thematisch breit gestreut investieren sollte. Ein Engagement in China sollte aber auf jeden Fall dazugehören.

Eignen sich ETFs für die Altersvorsorge?

Förster: Definitiv. ETFs sind ein ausgezeichnetes Mittel für die Altersvorsorge, insbesondere in Form von Sparplänen. ETF-Sparpläne sind nicht nur kostengünstig, sondern können im Gegensatz zu anderen Altersvorsorgeprodukten auch jederzeit ausgesetzt werden, wenn es die finanzielle Situation erforderlich macht. Und vor allem bieten sie Anlegern die Möglichkeit, in eine Vielzahl von Regionen und Themen zu investieren. Es gibt praktisch zu jedem Thema den passenden ETF, damit kann eine Vielzahl von Anlegerinteressen abgebildet werden. Ein ETF ist leicht handelbar, liquide und sicher. Der ETF hat die Welt des Investierens demokratisiert. Früher konnten Sie nur als institutioneller Investor oder vermögender Privatanleger in bestimmte Themen investieren. Der ETF hat dies geändert: Er macht es auch Kleinanlegern mit geringen Summen möglich, gezielt in die Altersvorsorge zu investieren.

Was gehört aus Ihrer Sicht in ein langfristig ausgerichtetes ETF-Depot?

Förster: Für einen ETF-Sparer sollte ein ETF auf den MSCI World das Basisprodukt sein. Davon ausgehend kann man dann in verschiedene andere thematische Bereiche wie etwa Technologie, China oder Small- und Mid-Caps investieren. Wichtig sind vor allem ein langer Atem und die Bereitschaft, Kursschwankungen auszusitzen.