Weiter im Höhenflug Euro auf dem Weg zum neuen Höchststand

Das Umfeld am Anleihemarkt bleibt zunächst positiv, könnte im Laufe des kommenden Jahres aber herausfordernder werden, sagt Mark Dowding, Chief Investment Officer bei BlueBay Asset Management. In den Devisenmarkt kam jüngst Bewegung.

04.12.2020, aktualisiert 08.12.2020 - 10:3908.12.20 - 10:39
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Wechselstube
Wechselstube: Der Euro hat jüngst eine Outperformance erzielt und die 1,20-Marke gegenüber dem US-Dollar geknackt© imago images / Lem

Die Renditen von Staatsanleihen sind zuletzt leicht gestiegen – auch wenn sich die Zentralbanken weiterhin bemühen dürften, sie auf niedrigem Niveau zu halten, um das Wachstum anzukurbeln.

Vor diesem Hintergrund lohnt sich ein Blick auf die Rolle, die die ehemalige Vorsitzende der Fed, Janet Yellen, als künftige US-Finanzministerin spielen könnte. Yellen dürfte in den kommenden Jahren in einem Umfeld tendenziell niedriger Inflationsraten eine eher expansive Fiskalpolitik verfolgen. Über die Tragfähigkeit der Schulden muss man sich aufgrund der niedrigen Zinsen aus unserer Sicht kaum Sorgen machen.

Es scheint, dass ein solcher Ansatz auch von der Fed unterstützt würde. Daher unterschätzen die Marktteilnehmer möglicherweise den Grad der kommenden fiskalpolitischen Lockerung. Im Laufe der Zeit dürfte dies wahrscheinlich zu höheren Renditen und einer steileren Renditekurve führen.

An den Devisenmärkten hat die steigende Risikobereitschaft in den vergangenen Wochen zu einer Abwertung des US-Dollars geführt – ein Trend, der aus unserer Sicht anhalten könnte. Der Euro hat während der jüngsten Bewegung eine Outperformance erzielt und die 1,20-Marke gegenüber dem US-Dollar durchbrochen. Unterstützt wurde die Aufwertung durch Zuflüsse in europäische Aktien. Nun könnte er den Höchststand von 1,25 von Anfang 2018 anstreben.

Derweil ziehen sich die Brexit-Verhandlungen weiter hin. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit eines „No Deal“-Szenarios. Wir gehen jedoch nach wie vor davon aus, dass ein Kompromiss gefunden werden und eine Einigung unmittelbar bevorstehen könnte. Allerdings wird die Zeit für die Ratifizierung immer knapper. Daher besteht die Gefahr, dass es zu keinem Abschluss kommen kann. Dies könnte gefährlich werden, wenn beide Seiten meinen, dass ihre Verhandlungsposition nach einer Unterbrechung zu Beginn des neuen Jahres gestärkt wird.

Insgesamt bleiben wir gegenüber dem Britischen Pfund optimistisch. Das könnte sich aber in Ermangelung größerer Klarheit kurzfristig ändern.

Es scheint, dass die von der Liquidität angeheizte Rallye am Anleihemarkt noch etwas weiter gehen könnte – auch wenn die heute erzielten Renditen darauf hindeuten, dass das Umfeld 2021 schwieriger wird. Sicherlich könnte eine Trendwende dazu führen, dass man sich mehr auf den relativen Wert und die Auswahl der Emittenten konzentriert und nicht auf die von oben nach unten gelenkten Beta-Bewegungen der vergangenen Monate.