Die Qualitätsprüfung wird noch wichtiger Die Nachfrage nach nachhaltigen Rentenpapieren steigt

Nachhaltige Anleihen werden immer beliebter. Die wachsende Auswahl ist zwar positiv, garantiert aber noch keine qualitativ hochwertigen, nachhaltigen Investments. Anleger sollten deshalb weiter selektiv vorgehen, betont Ashton Parker, Portfoliomanager bei Lombard Odier Investment Managers (LOIM).

16.08.2021, aktualisiert 19.08.2021 - 09:4719.08.21 - 09:47
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Planungsentwurf für die grünen Türme von Beverly Hills, eines der größten Umweltprojekte der USA
Planungsentwurf für die grünen Türme von Beverly Hills, eines der größten Umweltprojekte der USA: Anleger müssen bei nachhaltigkeitsbezogenen Anleihen sowohl auf das Kleingedruckte als auch auf das Gesamtbild achten© IMAGO / Cover-Images

Auf ihrem Gipfeltreffen im Juni einigten sich die G7-Staaten auf die Einführung von „verpflichtenden klimabezogenen finanziellen Offenlegungen, die den Marktteilnehmern konsistente und entscheidungsrelevante Informationen liefern“. So lautet der Text im offiziellen Kommuniqué zur Veranstaltung. Die Initiative, die auf dem Rahmenwerk der Task Force on Climate-related Financial Disclosures (TCFD) basiert, ist ein weiterer wichtiger Schritt zur Ökologisierung der Weltwirtschaft.

Der damit verbundene Wandel wird weitreichende Auswirkungen auf Risiken und Renditen haben. Demzufolge sollten auch Investmentansätze an die zu erwartenden Veränderungen angepasst werden.

Steigende Nachfrage nach nachhaltigen Investitionen

Die Verknüpfung von Anleihen mit Nachhaltigkeit, beispielsweise durch die Verpflichtung, die Erlöse für umwelterhaltende Maßnahmen zu nutzen, oder durch die Bindung von Kuponzahlungen an die Leistung entsprechender Kennzahlen, ist bereits beliebter geworden. Die Anleiheemissionen wuchsen 2021 besonders stark und sind auf dem besten Weg, das Volumen von 2020 zu übertreffen.

Das ist zwar eine willkommene Entwicklung, aber keine Garantie für eine qualitativ hochwertige, nachhaltige Investition. Es ist nach wie vor notwendig, selektiv vorzugehen – nicht nur bei der Verwendung der Erlöse oder den damit verbundenen Bedingungen, sondern auch anhand einer Due-Diligence-Prüfung des Unternehmens als Ganzes. Nur so kann sichergestellt werden, dass es über solide Fundamentaldaten und ein nachhaltiges Geschäftsmodell verfügt.

Identifizierung wirklich nachhaltiger Unternehmen

Es ist wichtig zu verstehen, dass ein Unternehmen, das Anleihen emittiert, nicht unbedingt ein Unternehmen ist, bei dem Nachhaltigkeit Teil der Geschäftstätigkeit und der langfristigen Ambitionen ist. Es gibt Unternehmen, die das erste Kriterium erfüllen, am zweiten allerdings scheitern.

Ein Beispiel für diese Unterscheidung lieferte ein weltweit tätiger Fleischproduzent aus Lateinamerika. Das betreffende Unternehmen expandierte sowohl durch langfristiges Wachstum als auch durch Übernahmen und konnte sich zu einem erfolgreichen globalen Vertriebsunternehmen entwickeln. Die Finanzen des Unternehmens erschienen solide und es verfügte über ein Investment-Grade-Rating. Darüber hinaus wurden die Anleihen des Unternehmens im Vergleich zu denen seiner Konkurrenten zu einem fairen Wert gehandelt.

Die Nachhaltigkeitsanleihen des Unternehmens waren an KPIs gekoppelt, um die Treibhausgasemissionen bis 2030 um 30 Prozent zu verringern. Konnte das Zwischenziel nicht erreicht werden, so drohte eine Kuponerhöhung im fünften Jahr. In einer emissionsintensiven Branche wie dieser – die man als „schwer abbaubar“ bezeichnen kann – erscheinen diese spezifisch an eine Anleihe gebundenen Ziele positiv.

Trotz dieser Attribute ist die Teilnahme an der neuen Emission von nachhaltigkeitsbezogenen Anleihen des Unternehmens kritisch zu betrachten. Denn: Allgemeine Nachhaltigkeits- und ESG-bezogene Themen sowie Bedenken hinsichtlich der Unternehmensführung auf der Ebene der Muttergesellschaft überwiegen und setzen die besonderen Merkmale der Anleihe außer Kraft.

Diese umfassenderen Probleme ergeben sich aus der Tatsache, dass der fleischverarbeitende Sektor vom Klimawandel stark betroffen ist. Die Rindfleischproduktion und die Aufzucht anderer Nutztiere hinterlässt einen großen ökologischen Fußabdruck in Bezug auf Land, Kohlenstoff und Wasser. Darüber hinaus gibt es immer mehr Hinweise auf signifikante Verhaltensänderungen bei den Verbrauchern in den Exportmärkten, in denen eine pflanzliche Ernährungsweise allmählich Fuß fasst. Der voranschreitende Klimawandel wird wahrscheinlich den Druck auf die Branche erhöhen, sodass schlecht diversifizierte Unternehmen potenziell auch schlecht positioniert sind.

Die richtige Wahl treffen

Aus diesem Grund müssen Anleger und Investoren bei der Beurteilung von nachhaltigkeitsbezogenen Emissionen und Emittenten sowohl auf das Kleingedruckte als auch auf das Gesamtbild achten. So war beispielsweise eine französische Tiefkühlkostfirma gezwungen, die Emission einer geplanten Nachhaltigkeitsanleihe zurückzuziehen. Der hohe Verschuldungsgrad des Unternehmens, die aggressiven Konditionen und die Absicht, einen Teil der Erlöse zur Ausschüttung von Dividenden an die Private-Equity-Eigentümer zu verwenden, haben die Investoren abgeschreckt.

Zudem ist nicht immer von vornherein klar, welche Anleiheemittenten das Rennen machen werden. Arçelik, ein türkischer Haushaltsgerätehersteller zu dessen Marken Grundig und Beko gehören, mag auf den ersten Blick kein erstklassiger Kandidat sein, aber seine 350 Millionen Euro teure erste grüne Anleihe erfüllt Nachhaltigkeitskriterien und bot eine lukrative Rendite von 3 Prozent. Ebenso bot die Hybridanleihe des finnischen Immobilienunternehmens Citycon eine ansprechende Rendite von 3,95 Prozent und kommt im Vergleich zu anderen Unternehmen des Sektors auf vergleichsweise geringe Emissionen, sodass sie es in die Auswahl schaffte.