Aktienmarktausblick USA gehen voran, Europa hinkt hinterher

Daniel Morris, leitender Marktstratege bei BNP Paribas Asset Management, blickt weitgehend optimistisch auf das kommende Halbjahr. Für den chinesischen Technologiesektor sieht er trotz der jüngsten politischen Eingriffe Potenzial.

26.07.2021 - 16:0027.07.21 - 09:50
|
|
in  News
|
Touristen vor der New Yorker Börse
Touristen vor der New Yorker Börse: Der Ausblick für US-amerikanische Aktien bleibt dank der guten konjunkturellen Verfassung positiv© IMAGO / agefotostock

„Wir gehen davon aus, dass sich US-Aktien im weiteren Verlauf des Jahres etwas besser entwickeln werden als europäische Werte – obwohl es Faktoren gibt, die beide Märkte begünstigen“, erklärt Daniel Morris, leitender Marktstratege bei BNP Paribas Asset Management. Denn: „Die US-Wirtschaftserholung dürfte angesichts der fortschreitenden Impfungen, der fiskalischen Unterstützung und des Beschäftigungszuwachses weiter an Dynamik gewinnen.“

Die konkreten Auswirkungen der Infrastrukturpakete der Biden-Administration sind jedoch noch schwer abzuschätzen. Zum einen ist unklar, in welcher Form sie durch den Kongress kommen, zum anderen ist ungewiss, inwieweit die Finanzierung über Steuererhöhungen für Unternehmen und Privatpersonen erfolgt.

Europa noch vor einem weiten Weg

Die Erholung der Unternehmensgewinne in Europa läuft schleppender als in den USA. Ein Großteil der positiven Gewinnsituation in den USA ist auf die Dominanz des US-Technologiesektors zurückzuführen.

Die Gewinnerwartungen für die kommenden 12 Monate liegen für den US-Aktienmarkt rund 16 Prozent über dem Vorkrisenniveau vom Februar 2020. Aber: Alleine im Tech-Bereich beträgt das Plus 48 Prozent – beim Rest des Marktes sind lediglich 3 Prozent. In Europa liegen die Prognosen nur 1 Prozent höher als vor der Krise. Der Kontinent hat also noch einen weiten Weg vor sich.

„In Kombination mit der Erholung von Value-Aktien erwarten wir, dass zyklischer orientierte Länder wie Japan und Regionen weiterhin eine Outperformance erzielen werden“, sagt Morris.

Chinesische Aktien zuletzt schwächer

Die Aktienmärkte in den Schwellenländern sind in der Regel zyklischer geprägt als in den entwickelten Ländern. Davon profitierten sie zu Beginn des Jahres. Später belastete jedoch der deutliche Renditeanstieg in den USA die Börsen in den aufstrebenden Volkswirtschaften. Als sich die Renditen in den USA normalisierten, tendierten die Kurse in den Schwellenländern seitwärts. Allerdings belastet die unterdurchschnittliche Entwicklung Chinas den breiten Schwellenländerindex. Dass Peking die Tech-Unternehmen des Landes stärker unter die Lupe nimmt, hat die Underperformance noch verstärkt.

„Wir gehen dennoch davon aus, dass sich der Technologiesektor angesichts seiner strategischen Bedeutung für Peking erholen wird. Die mittelfristigen Wachstumsaussichten bleiben sehr gut“, so Morris.

Obacht!

Investoren sollten aber auch die Risiken im Blick behalten. Für Morris ist das insbesondere die Gefahr einer impfstoffresistenten Covid-Variante, die zu einer erneuten Verhängung von Lockdowns führen könnte. Denn: „Der Wettlauf zwischen Virusvarianten und Impfstoffen ist in vollem Gange.“