Große Vielfalt Wie sich nachhaltige ETFs voneinander unterscheiden

ESG Screened? ESG Enhanced? SRI? Wer sich mit nachhaltigen ETFs beschäftigt, stößt auf zahlreiche unterschiedliche Varianten. Welche ESG-Strategien sich hinter den Namenszusätzen verbergen und wie sie sich voneinander unterscheiden, lest ihr bei uns.

18.10.2021, aktualisiert 26.10.2021 - 11:0526.10.21 - 11:05
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Der Umwelt zuliebe
Der Umwelt zuliebe: Es gibt eine Vielzahl nachhaltiger ETFs, die nach unterschiedlichen Kriterien zusammengestellt sind© Imago Images / Panthermedia

Das Angebot an nachhaltigen Aktien-ETFs wächst stetig. Für nahezu jede Region und Branche stehen Anlegern mittlerweile grüne Varianten der günstigen Anlageprodukte zur Verfügung. Die Basis eines jeden ETFs ist ein Index – also beispielsweise der globale Aktienindex MSCI World, der rund 1.600 Unternehmen aus den entwickelten Ländern abbildet.

Nachhaltigkeit spielt für die Aufnahme in den MSCI World keine wesentliche Rolle. Indexanbieter MSCI hat daher verschiedene Varianten des Weltaktienindex entwickelt, die in unterschiedlichem Maße Nachhaltigkeitsaspekte berücksichtigen – und in die Anleger ebenfalls über einen entsprechenden ETF investieren können. Die Herausforderung: Erstmal muss man wissen, wie sich die ESG-Indizes zusammensetzen. Denn zum Teil unterscheiden sich die nachhaltigen Pendants deutlich. Wir geben euch einen Überblick – der übrigens nicht nur für den MSCI World gilt, sondern beispielsweise auch für den Schwellenländerindex MSCI Emerging Markets oder die Europa- und US-Indizes des Anbieters.

ESG Screened: In der MSCI-ESG-Screened-Reihe werden Unternehmen ausgeschlossen, die Umsätze in gewisser Höhe in den Bereichen Tabak, Waffen, Kraftwerkskohle oder Ölsande machen und alle Firmen, die gegen die Prinzipien des UN Global Compact (UNGC) beziehungsweise vergleichbare Regeln verstoßen. Grundsätzlich werden Hersteller von kontroversen Waffen und Atomwaffen ausgeschlossen. Bei den Umsätzen in kritischen Branchen gilt ein Schwellenwert von 5 Prozent. Das bedeutet, dass ein Portfoliounternehmen durchaus in einem der Bereiche aktiv sein kann.

Die auf diese Art und Weise gefilterten Unternehmen machen etwa 90 Prozent des ursprünglichen Mutterindex aus – es sind knapp 1.500 – und werden ebenfalls nach Marktkapitalisierung gewichtet. Der Vorteil: Der Index weicht nur geringfügig vom MSCI World ab und ist daher ähnlich breit gestreut. Der Nachteil: Höchsten ESG-Ansprüchen dürfte die verhältnismäßig geringe Ausschlussquote nicht genügen.

ESG Enhanced Focus: Wie bei der ESG-Screened-Reihe werden bei der ESG-Enhanced-Focus-Serie kontroverse Branchen und Unternehmen ausgeschlossen. Doch die Gewichtung der verbleibenden Indexmitglieder erfolgt nicht nach der Marktkapitalisierung, sondern auf Basis der ESG-Bilanz. Das bedeutet: Unternehmen mit einem besseren ESG-Rating werden höher gewichtet als jene mit schwächeren Nachhaltigkeitseigenschaften. Apple als jeweils größte Position kommt im MSCI World beispielsweise auf einen Anteil von 4,08 Prozent – in der ESG-Enhanced-Focus-Version sind es 4,28 Prozent. Darüber hinaus strebt der Index eine Verringerung der CO2-Emissionen und anderer Treibhausgase um 30 Prozent gegenüber dem MSCI World an. Er beinhaltet ebenfalls rund 1.500 Unternehmen.

ESG Leaders: Die ESG-Leaders-Reihe strebt eine basierend auf der Marktkapitalisierung 50-prozentige Abdeckung aller Sektoren des Ursprungsindex an. Es werden nur Unternehmen berücksichtigt, die innerhalb ihrer Vergleichsgruppe ein hohes MSCI-ESG-Rating haben. Ebenso fließen Fort- und Rückschritte in Sachen Nachhaltigkeit mit ein. Unternehmen kontroverser Branchen werden ausgeschlossen. Die anschließende Indexgewichtung erfolgt nach der Marktkapitalisierung. Der Index besteht aus rund 700 Werten.

SRI Indizes: Die SRI-Reihe ist am strengsten aufgestellt: Sie enthält basierend auf der Marktkapitalisierung des Ursprungsindex lediglich die nachhaltigsten 25 Prozent der Unternehmen jeder Branche. Die anschließende Gewichtung erfolgt nach Marktkapitalisierung. Bei diesen Ausschlüssen ist der SRI-Ansatz in der Methodik strenger als seine ESG-Pendants. Im SRI-Index befinden sich rund 370 Werte. Anleger sollten daher beachten, dass der Diversifizierungsgrad geringer ist als beim Mutterindex. Beispiel Microsoft: Am MSCI World hat das Unternehmen einen Anteil von 3,5 Prozent – im MSCI World SRI ist es mit 13,6 Prozent größte Position.

Welchen Einfluss hat das auf die Rendite?

In unserer Fonds-Suche findet ihr zahlreiche ETFs auf nachhaltig orientierte Indizes – nicht nur die verschiedenen Varianten des MSCI World. Oder wollt ihr erst einmal mehr über das Thema ETF-Anlage erfahren? Auch dann seid ihr auf der fonds richtig: In diesem Video erklären wir euch, wie’s funktioniert. Und worauf es noch zu achten gilt, erfahrt ihr hier.

Hinweis: Es handelt sich hierbei um keine Anlageberatung oder Kaufempfehlung. Die Geldanlage am Kapitalmarkt ist mit Risiken verbunden. Aus Wertentwicklungen in der Vergangenheit lässt sich nicht auf künftige Wertentwicklungen schließen.