Stolls Fondsecke Mit Dividendenfonds regelmäßig abkassieren

Wiederkehrende Erträge, stattliche Kursgewinne: Dividendenfonds können sich gerade in Zeiten niedriger Zinsen lohnen und das Kapital vor der Inflation schützen. Unser Gastautor Sven Stoll stellt die zielsichersten Dividendenjäger aus verschiedenen Segmenten vor.

05.11.2021 - 17:0005.11.21 - 17:11
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Die Macht der Dividende
Die Macht der Dividende: US-Starinvestor Warren Buffett profitiert seit Jahrzehnten von den regelmäßigen Ausschüttungen der Unternehmen © Imago Images / Xinhua

Ich kenne den Tag noch gut aus meiner Kindheit: Schon seit 97 Jahren findet Ende Oktober der Weltspartag statt. Früher nahm meine Mutter mich und mein Sparschwein mit zur Sparkasse, wo ich stolz die darin enthaltenen Markstücke auf mein Sparbuch einzahlte. Was heute anders ist als damals: Der Eintrag der Zinsen ins rote Heft fehlt – in manchen Fällen werden sogar Strafzinsen auf das Ersparte fällig.

Dennoch horten die Deutschen heute mehr Geld als je zuvor auf dem Girokonto – egal, ob Generation X, Y oder Z. Mit mehr als einer Billion Euro erreichten die Sichteinlagen im Jahr 2020 ein Rekordhoch. Obwohl eine Geldanlage in festverzinsliche Investments in Zeiten von Negativzinsen kaum noch Sinn ergibt.

Denn selbst wenn die Europäische Zentralbank in den kommenden Jahren den Leitzins anheben sollte, steht fest: Wer sein Geld heute auf Giro-, Tages-, oder Festgeldkonten liegen hat, muss nicht nur auf Rendite verzichten. Vielmehr knabbert die Inflation am Vermögen und die Kaufkraft schmilzt dahin wie Eis in der Sonne.

Dividendenfonds bieten Ausschüttungen und Kurspotenzial

Trotzdem ist die Angst vor Aktien hierzulande weiter groß. Experten versuchen bereits seit Jahren, deutsche Aktienmuffel mit Parolen wie „Dividenden sind der neue Zins!“ von Festgeldern und Lebensversicherung hin zu Aktien, ETFs und Fonds zu bewegen. Denn: Mit global aufgestellten Dividenden-Aktienfonds waren zuletzt jährlich nicht nur Ausschüttungen von bis zu 4 Prozent drin, sondern auch Kurszuwächse von 10 Prozent und mehr möglich.

Die Kehrseite der Wertpapieranlage: Sowohl die Dividende als auch der Kurs schwanken. Als Dividendenjäger sollte man daher einen längerfristigen Zeithorizont und eine gewisse Risikotoleranz mitbringen. Während des Corona-Crashs verloren Fonds mit Fokus auf hohe Dividenden in Summe beispielsweise zweistellig (rund 25 Prozent). Im Zuge der darauffolgenden Erholung konnten sie zwar wieder zulegen, blieben jedoch hinter dem Marktdurchschnitt zurück. Das liegt auch daran, dass während einer Börsenhausse konjunkturabhängige und dynamische Werte, die die wirtschaftliche Erholung anführen, besonders gut laufen. Konstante Langweiler mit stabilen Geschäftsmodellen, die verlässlich hohe Dividenden auskehren, punkten dagegen verstärkt in den Abwärts-Phasen des Aktienmarktes, in denen sie meist deutlich weniger verlieren als zyklische Werte.

Dividenden-Aristokraten für stabile Erträge

2019 schütteten Unternehmen weltweit Dividenden in Höhe von 1,43 Billionen US-Dollar aus. Die Dividende ist ein Teil des Gewinns, den eine Aktiengesellschaft an ihre Eigentümer weitergibt. Wer an diesem Geldregen via ETF oder Fonds mitverdienen will, kann zwischen verschiedenen Ansätzen wählen. Die Strategien reichen von Produkten, deren Ziel es ist, Konzerne mit langfristig stabilen Gewinnausschüttungen (Aristokraten) zu finden, über Fonds, die hauptsächlich in Werte der Old Economy investieren, bis hin zu ETFs, bei denen auch fundamentale Kriterien wie die Eigenkapitalrendite oder Cashflows berücksichtigt (Quality-Growth) werden.

Dieser Ansatz funktionierte vor allem in den vergangenen Jahren. Der Wert des Wisdom Tree Global Quality Dividend Growth UCITS ETF (ISIN: IE00BZ56SW52) hat sich damit in den vergangenen fünf Jahren verdoppelt. Der Hauptgrund dafür: Neben Dividenden- und Qualitätsmerkmalen werden auch Wachstumsfaktoren berücksichtigt. Zudem sind Growth-Werte in den vergangenen Jahren allgemein gut gelaufen.

Mit 600 Aktien ist der zugrunde liegende Index weltweit breit gestreut. Hauptkriterien für die Titelauswahl sind das geschätzte Ertragswachstum, die historische Kapitalrendite sowie die Vermögensrendite im Dreijahresdurchschnitt. Die größten Positionen im ETF sind Microsoft, Apple und Nestlé. Der Anteil von US-Unternehmen ist bei 50 Prozent gedeckelt. Japan hat mit einem Anteil von 13 Prozent ein doppelt so hohes Gewicht wie im MSCI World. Auch Aktien aus der Schweiz (8 Prozent) und Großbritannien (7 Prozent) sind stark vertreten.

Investment in tragfähige und nachhaltige Geschäftsmodelle

Nur ein aktiv gemanagter Dividendenfonds kann die Wertentwicklung des New Yorker Anbieters über fünf Jahre noch übertreffen: Der ENRAK Wachstum und Dividende (ISIN: DE000A12BST0) kommt auf eine Performance von 118 Prozent. Seit 2015 ist Rolf Kieckebusch von der Kirix Vermögensverwaltung für den Fonds verantwortlich, der zunächst nur in einer institutionellen Tranche angeboten wurde. Seit März 2018 können Privatanleger in die R-Tranche investieren.

Das Credo von Kieckebusch: „Marken, die Märkte maßgeblich prägen und für viele unersetzlich sind, haben hohe Wachstumsaussichten. Langfristig werden diese Unternehmen stark bleiben, wenn sie auf ihren positiven Einfluss achten und Verantwortung für ihr Handeln tragen.“ Der Manager investiert das ihm anvertraute Vermögen (rund 250 Millionen US-Dollar) ausschließlich in Unternehmen, die über tragfähige und nachhaltige Geschäftsmodelle verfügen. Als Stockpicker setzt er vor allem auf Aktien innovativer Technologiekonzerne und etablierter Firmen aus dem Industrie- und Pharma-Sektor. Zu den Lieblings-Aktien der Kasseler zählen derzeit der niederländische Zahlungsabwickler Ayden, Sportartikel-Primus Nike und Nextera Energy, der weltweit größte Erzeuger von Solar- und Windenergie.

Ausgleich zwischen Risiko und Rendite

Mit einem Wertzuwachs von 26 Prozent führt der Mainfirst Global Dividend Stars (ISIN: LU1238901240) das Ranking der besten globalen Fonds mit Ausschüttungsfokus im laufenden Jahr an. Thomas Meier und Christos Sitounis verfolgen mit dem 40 Millionen US-Dollar großen Fonds eine Barbell-Strategie. Die auf Deutsch übersetzte „Langhantel-Strategie“ ist ein Anlagekonzept, das sich auf ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Risiko und Rendite im Portfolio fokussiert.

Auf der einen Seite der Hantel befinden sich die riskanten Titel. In Meiers Portfolio sind das wachstumsstarke, innovative Small- und Mid-Caps, die vergleichsweise viel Geld in Forschung und Entwicklung stecken. Auf der anderen Seite stehen die soliden und im Vergleich langweiligeren Aktien. Hier investieren die Manager in konservative und defensive Werte aus Industriestaaten, die aufgrund ihrer Wettbewerbsposition und beständiger Cashflows nachhaltige Dividendenzahlungen versprechen.

Die Werte im Fonds weisen im Schnitt eine Dividendenrendite von knapp 3 Prozent auf. Das Fondsmanager-Duo berücksichtigt zudem ESG-Kriterien, meidet problematische Branchen und will von Nachhaltigkeitstrends profitieren. Die geografischen Schwerpunkte liegen in den USA

(27 Prozent), Deutschland (20 Prozent), Großbritannien (10 Prozent) und Italien (9 Prozent). Zu den Top-Picks zählen Sixt, AstraZeneca oder Carel Industries Spa, ein in Italien ansässiges Unternehmen, das Regelungstechnik und Befeuchtung für Klima- und Kälteanlagen anbietet. Sixt, die größte Fondsposition, profitiert aktuell von der Erholung im Tourismus und bei Dienstreisen und steuert dank steigender Mietwagenpreise rasant aus der Corona-Krise.

Perfomance mit Rohstoffen und Megatrends

Unter den Klassikern der auf Dividenden fokussierten Fonds gefallen vor allem der JPM Global Dividend (ISIN: LU0329201957) und der M&G Global Dividend (ISIN: LU1670710075) mit Wertzuwächsen von 200 Prozent und 172 Prozent im vergangenen Jahrzehnt.

Ex-Tennisspieler Stuart Rhodes investiert mit dem M&G-Fonds in Aristokraten, die sich durch eine über viele Jahre konsistente Dividendenausschüttung auszeichnen. Das mag auf Anhieb relativ traditionell oder gar langweilig anmuten. Doch empirische Studien zeigen, dass US-Eliteunternehmen, die ihre Ausschüttungen 25 Jahre hintereinander gesteigert haben, auch eine schöne Outperformance erzielten. Zu Rhodes Langzeit-Favoriten gehören etwa Methanex aus Kanada, der weltweit größte Hersteller von Synthesegas, oder Gibson Energy, ein ebenfalls in Kanada ansässiges Dienstleistungsunternehmen in der Öl- und Gasindustrie. Mit rund 20 Prozent setzt der Fondsmanager stark auf Rohstofftitel, von deren Comeback Rhodes zuletzt profitierte. Mit nur 43 Titeln ist der Fonds der britischen Gesellschaft recht konzentriert.

Der JPM Global Dividend ist mit der doppelten Anzahl an Einzeltiteln breiter gefächert. Die beiden Manager Helge Skibeli und Sam Whiterow wollen mit thematischen Schwerpunkten wie Big Data, Konsumgewohnheiten der Millennials oder Energiewende von langfristigen Megatrends profitieren. Für die Fondsperformance im vergangenen Jahr hat insbesondere der Technologiesektor eine tragende Rolle gespielt. Microsoft, Apple und Taiwan Semiconductor sind große Positionen.

Die Macht der Dividenden

Mein Fazit: Auf der Suche nach attraktiven Aktien vergessen Anleger häufig Dividenden einzu­beziehen, da diese oft nur als „nettes Beiwerk“ gelten – eine Fehl­ein­schätzung. Zahl­reiche Studien belegen, dass Divi­denden die Per­formance von Aktien­anlagen langfristig deut­lich beein­flussen. US-Star­investor Warren Buffett setzt beispielsweise seit Jahr­zehnten erfolg­reich auf die Macht der Di­vi­den­de. Neben Kurs­­gewinnen profitiert er so regel­mäßig von den Aus­schüttungen der Unter­nehmen, in die er investiert. Dividenden­fonds greifen diese erfolg­reiche Anlage­strategie auf, indem das Management in Unternehmen inve­stie­rt, die be­son­ders viel Geld an Aktionäre aus­zahlen.

Svens Dividendenfonds im Überblick

Hinweis: Es handelt sich hierbei um keine Anlageberatung oder Kaufempfehlung. Die Geldanlage am Kapitalmarkt ist mit Risiken verbunden. Aus Wertentwicklungen in der Vergangenheit lässt sich nicht auf künftige Wertentwicklungen schließen.