Stolls Fondsecke Mit unternehmerischem Weitblick investieren

Die Arbeit eines Firmenlenkers und eines Investors ähneln sich: Es geht darum, Chancen und Risiken gegenüber zu stellen und die richtigen Entscheidungen zu treffen. Unser Gastautor Sven Stoll analysiert Fonds, die explizit aus der Sichtweise eines Unternehmers investieren.

15.10.2021, aktualisiert 26.10.2021 - 11:0526.10.21 - 11:05
|
|
in  News
|
Ein Durchflusszytometer zur Analyse von Zellen auf dem Danaher-Stand bei der China International Import Expo
Ein Durchflusszytometer zur Analyse von Zellen auf dem Danaher-Stand bei der China International Import Expo: Der Mischkonzern gehört zu den größten Positionen im Wagner & Florack Unternehmerfonds © Imago Images / VCG

Risiken sorgfältig abwägen und langfristig denken: Sowohl in der Wirtschaft als auch an der Börse sind das die Schlüssel zum Erfolg. Unternehmer investieren beispielsweise in neue Maschinen oder Produktionshallen – wenn sie nach reiflicher Überlegung zu dem Schluss kommen, dass sich die Anschaffung für die Firma langfristig auszahlt. Gleiches gilt für Anleger: Überwiegen aus ihrer Sicht die Chancen auf Rendite das Risiko, investieren sie.

Dominikus Wagner und Christian Florack haben sich den unternehmerischen Denkansatz auf die Fahnen geschrieben und setzen ihn im Wagner & Florack Unternehmerfonds (ISIN: DE000A1C4D48) gezielt um.

„Wir investieren in Unternehmen, nicht in Aktien als Finanzpapiere und verstehen uns daher als langfristige Miteigentümer unserer Portfoliounternehmen“, lautet es auf der Website der 2003 gegründeten Vermögensverwaltung aus Bonn. Aus einem unternehmerischen Blickwinkel heraus, der stark an die Investment-Prinzipien von Charlie Munger und Warren Buffett erinnert, investieren die Manager in „robuste Gewinnmaschinen“. Das heißt: Weltklasse-Firmen, die stark und verlässlich wachsen, über Preissetzungsmacht und eine hohe Cash-Flow-Marge verfügen. Außerdem sollten sie einen Burggraben haben – also ein Geschäftsmodell, das von Mitbewerbern nur schwer angreifbar ist.

29 Aktien reichen im Unternehmerfonds – wenn die Qualität stimmt

Die Auslese der Investments beginnt mit einer mehrstufigen Analyse, in der die Fondsmanager Bilanzen wälzen und Geschäftsmodelle auf Wettbewerbsvorteile und Erfolgsfaktoren abklopfen. Am Ende steht ein konzentriertes, aber im Vergleich zum Weltindex MSCI World schwankungsarmes Portfolio aus aktuell 29 Aktien. „Damit sind wir ausreichend diversifiziert. Zudem ertragen wir keine Mittelmäßigkeit“, kommentierte Wagner gegenüber börse-online. Er legt also sehr viel Wert auf die Qualität der Unternehmen. Fündig wird der Fondsmanager vor allem bei Anbietern von Haushaltswaren und Lebensmitteln sowie in der Software-Branche. Etwas mehr als die Hälfte der aktuell investierten Unternehmen stammt aus den USA (56 Prozent). Schweizer und deutsche Titel sind mit jeweils 13 Prozent gewichtet.

Zu den Top-Picks zählt Nestle mit einer Gewichtung von 7,55 Prozent. „Nestlé wächst robust und zudem schneller als die Wettbewerber, der konsequente Portfolioumbau im Konzern trägt Früchte“, stellt Wagner im aktuellen Investorenbrief fest. Hoch gewichtet hat Wagner auch die Google-Holding Alphabet (7,66 Prozent), den Mischkonzern Danaher (4,68 Prozent) sowie Church & Dwight (4,96 Prozent), ein 1846 gegründetes Unternehmen aus den USA, das sich auf Haushalts- und Pflegeprodukte konzentriert.

Der Fonds wurde im Oktober 2012 ursprünglich als Dividendenfonds aufgelegt. Seit Juni 2016 verfolgt das Management die aktuelle Strategie, die in Aufschwüngen mit dem Markt läuft, in Abschwüngen wie 2018 oder 2020 jedoch merklich weniger einbüßte als der globale Aktienmarkt. So begrenzte sich das Minus während des Corona-Crashs im Februar und März vergangenen Jahres auf 13 Prozent. Seit Auflage des mittlerweile 142 Millionen Euro schweren Fonds steht ein Plus von fast 140 Prozent zu Buche.

Value-Partnership: Fokus auf kleine und mittlere Unternehmen

Dass sich unternehmerisches Denken auszahlt, zeigt auch der Selection Value-Partnership (ISIN: DE000A14UV37). Hauptverantwortlicher Fondsadvisor ist Carl-Otto Schill. Er entstammt einer Unternehmerfamilie in der sechsten Generation und verfügt über 25 Jahre Erfahrung als Manager und Gesellschafter in der Industrie.

Seine Investments bündelt Schill bereits seit 2008 in der familieneigenen Schill-Holding GmbH, aus der im Oktober 2015 der Fonds entstand. „Für unsere eigene Holding managen wir seit Jahren erfolgreich die Beteiligung an börsennotierten Unternehmen. Uns erscheint das Fondsmodell als attraktivstes Anlagevehikel, da neben der Sicherheit und der Transparenz der Kapitalanlage im Fonds Börsengewinne steuerfrei reinvestiert werden können. Wir selber sind im Fonds investiert und wir suchen Anleger als Partner, die mit uns mittel- bis langfristig investieren“, sagt Schill im Interview mit der Depotbank Berenberg.

„Bei der Auswahl der Investments legen wir neben den Instrumentarien der Wertpapieranalyse besonderen Wert auf die unternehmerische Perspektive der Analyse“, so Schill weiter. Der Schwerpunkt des Fonds liegt auf kleinen und mittelständigen Unternehmen, die als sogenannte Hidden-Champions stark von Megatrends profitieren. Dazu zählen aktuell beispielsweise die Digitalisierung, Nachhaltigkeit und demografischer Wandel.

Schwerpunkt auf Unternehmen mit Sicherheitsmarge

Mit seinem Value-Ansatz investiert Schill in Unternehmen, die über eine Sicherheitsmarge von wenigstens 30 Prozent verfügen. Dabei handelt es sich um den Unterschied zwischen dem Aktien- und dem vom Investor geschätzten „tatsächlichen“ Unternehmenswert. Seine Investitionsziele findet er oft unter Familienunternehmen oder Unternehmen mit Managementbeteiligung. Mit einer Gewichtung von 9 Prozent ist die Nynomic AG größter Portfoliobaustein, ein international führender Hersteller und Komplettanbieter für effiziente Lösungen in der Photonik. Weitere große Positionen sind die Softwareschmiede GFT-Technologies oder die Abo-Wind AG, die Wind- und Solarparks sowie Batterie- und Wasserstoffprojekte in 16 Ländern errichtet.

Geografisch betrachtet investiert Schill vor allem in Europa und hier schwerpunktmäßig in Deutschland (64 Prozent). Grundsätzlich kann er jedoch weltweit anlegen. Da sich Investoren zuletzt wieder auf die Value-Strategie besannen, liegt auch der Value-Partnership in den Performance-Listen ganz oben. Über ein Jahr legte der Preis des Fonds der Vermögensverwaltung aus Osthofen (Pfalz) um fast 70 Prozent zu, im laufenden Jahr sind es 34 Prozent. Laut Schill besitzt der Fonds auf dem aktuellen Kursniveau jedoch weiterhin eine komfortable Sicherheitsmarge von 51 Prozent.

Mein Fazit: Investieren aus Sicht eines Unternehmers ist ein spannender Ansatz, der sich wohltuend von anderen Strategien abhebt. Oder wie es Carl-Otto Schill auf den Punkt bringt: „Als Unternehmer sind wir an einer langfristigen und nach­haltigen Wertsteigerung unserer Beteiligungen interessiert.“

Hinweis: Es handelt sich hierbei um keine Anlageberatung oder Kaufempfehlung. Die Geldanlage am Kapitalmarkt ist mit Risiken verbunden. Aus Wertentwicklungen in der Vergangenheit lässt sich nicht auf künftige Wertentwicklungen schließen.