Die Stadt von morgen Nachhaltige Infrastruktur und Mobilität fördern

Immer mehr Menschen leben in immer größeren Städten – doch wie können diese nachhaltiger gestaltet werden? Diese und weitere Fragen beantwortet Sacha El Khoury, Portfoliomanagerin des BMO Sustainable Opportunities European Equity Fund.

Kopenhagen
Kopenhagen: Am Beispiel der dänischen Hauptstadt zeigt sich, dass der Weg zu einer nachhaltigen Stadt über die Verkehrspolitik gelingen kann© IMAGO / Hans Lucas

Wie können die CO2-Emissionen in den Städten verringert werden? Und warum muss dafür bei Themen wie Wohnungsbau und Mobilität angesetzt werden? Sacha El Khoury, Lead Portfoliomanagerin des BMO Sustainable Opportunities European Equity Fund, gibt konkrete Beispiele von Unternehmen, die bereits an Lösungen für nachhaltige Infrastruktur und Mobilität arbeiten.

Drei Bereiche für mehr Nachhaltigkeit

Grüne Häuser: In vielen Städten befinden sich beeindruckende architektonische Meisterwerke wie Wolkenkratzer. „Allerdings haben Immobilien häufig eine Schattenseite“, erklärt Sacha El Khoury. Das Bauwesen ist für 39 Prozent des globalen CO2-Ausstoßes verantwortlich – das ist mehr als beim gesamten Verkehrssektor. Es ist daher unabdingbar, dass alle Gebäude bis 2050 CO2-neutral sind, um das Ziel des Pariser Klimaabkommens zu erreichen. „Doch bisher sind es weniger als ein Prozent.“

Aus Anlegerperspektive ergeben sich hier jedoch Chancen. Schneider Electric, ein Weltmarktführer im Bereich Energiebilanz und Automatisierung von Gebäuden, könnte sich als eine solche Chance entpuppen. Die Produkte des Unternehmens sind in die Planung, Implementierung und Wartung von Bau-Projekten eingebettet. „Wir glauben, dass das eine Win-Win-Win-Situation ist: Für die Kunden des Unternehmens, für den Planeten und nicht zuletzt für das Unternehmen selbst, da sich dessen Wirtschaftlichkeit deutlich verbessert“, erklärt El Khoury.

Von 0 auf 100: Das niederländische Unternehmen Alfen gehört zu den führenden europäischen Herstellern von Ladestationen für E-Autos. „Dieses dürfte eine herausragende Rolle bei der weiteren Entwicklung von E-Fahrzeugen spielen“, sagt El Khoury. Das Unternehmen konnte sich bereits in wichtigen Ländern positionieren und bringt eine Fülle von Fachwissen in dem Smart-Grid-Geschäft mit. Allerdings muss noch eine große Hürde beseitigt werden: Die Reichweitenangst. Das muss allerdings rasch passieren: Um die Ziele des Pariser Abkommens zu erreichen, müssen E-Autos bis 2030 mindestens 50 Prozent des weltweiten Automarktes ausmachen. „Einige Märkte müssen hierbei mehr aufholen als andere, aber die regulatorische Unterstützung für eine umfassende Transformation der Branche wird die Akzeptanz weiter vorantreiben.“

Öffentliche Verkehrsmittel: E-Autos sind allerdings nicht die einzige Lösung hin zu nachhaltigeren Städten. Bei öffentlichen Verkehrsmitteln muss ebenfalls angesetzt werden, zumal jeder Bus bis zu 75 Autos von der Straße nimmt. „Ein Euro-6-Dieselbus stößt zehnmal weniger Abgase pro Fahrgast aus als ein Euro-6-Diesel-Pkw“, erläutert El Khoury. Das sind bereits beachtliche Verringerungen der CO2-Emissionen – noch bevor überhaupt auf elektrische Flotten umgestellt wird. National Express, ein Betreiber von öffentlichen Verkehrsmitteln in Städten in Europa und den USA, hat bereits versprochen, in Großbritannien keine weiteren Dieselbusse zu kaufen.

Kopenhagen – die nachhaltigste Stadt der Welt

Die EU-Kommission vergibt jährlich den European Green Capital Award, eine Initiative zur Förderung und Belohnung des ökologischen Fortschritts. Zu den Gewinnern zählen meist skandinavische Städte wie Stockholm, Kopenhagen und Oslo.

Doch warum ist Skandinavien uns so weit voraus? Kopenhagen will bis 2025 die erste klimaneutrale Hauptstadt der Welt werden, nachdem sie ihre Emissionen seit 2005 um 42 Prozent verringern konnte.

Windenergie macht derzeit 55 Prozent des Strommix der Stadt aus, wobei sich der Fokus nun auf die Energiegewinnung aus Abfall verlagert. Das liegt vor allem an der Fertigstellung von Copenhill – dem saubersten Müllheizkraftwerk der Welt. Auch Fahrräder gibt es viele in Kopenhagen – für die Einwohner sind sie nicht nur ein umweltfreundliches Verkehrs-, sondern auch ein wichtiges Fortbewegungsmittel.

„Eine weitere große europäische Fahrradhauptstadt ist Amsterdam, in der es mehr Fahrräder als Einwohner gibt“, sagt El Khoury. Kein Zufall: Amsterdam führt auch bei einem weiteren Zeichen für nachhaltige Mobilität die Tabelle an: 952 Ladestationen für E-Fahrzeuge befinden sich bereits in der Stadt.