Wasser-Diamanten-ParadoxonNichts ist nützlicher als Wasser

2,2 Milliarden Menschen haben keinen gesicherten Zugang zu Wasser, erinnert Jane Hepburne Scott, Portfoliomanager bei Aegon AM. Mit welchen Unternehmen im Portfolio können Anleger einen Beitrag zum besseren Umgang mit Wasser leisten?

07.07.2021 - 15:20 Uhr07.07.21 15:20
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Freizeitvergnügen in unberührter Landschaft
Freizeitvergnügen in unberührter Landschaft: Aufgrund der massiven Unterinvestitionen in die Wasserinfrastruktur kristallisieren sich weltweit langfristige strukturelle Wachstumstreiber heraus© IMAGO / YAY Images

In seinem berühmten Werk „The Wealth of Nations“ beschäftigte sich der Philosoph Adam Smith (1723–1790) mit dem „Diamant-Wasser-Paradoxon“. Dieses klassische Wertparadoxon lässt sich so erklären: Nichts ist nützlicher als Wasser; ohne es würde der Mensch nicht überleben. Und doch hat Wasser einen niedrigeren Preis als ein Diamant, der kaum einen Gebrauchswert hat.

Dieser Zwiespalt lässt sich mit dem Konzept des Grenznutzens erklären. Wasser ist dort billig, wo es als reichlich vorhanden angesehen wird. Dort, wo es knapp ist, kostet frisches Wasser viel. Diamanten sind deshalb so teuer, weil überall ein Mangel an Angebot herrscht.

Aber Wasser ist keine unendliche Ressource. Sein zukünftiger Reichtum ist nicht garantiert.

Weltweit ist Wasser extrem knapp

In einem ihrer 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs) fordern die Vereinten Nationen, dass der Zugang zu sicherem und erschwinglichem Trinkwasser ein grundlegendes Menschenrecht ist. Heute haben 2,2 Milliarden Menschen keinen Zugang zu dem, was im UN-Sprachgebrauch als „sicher bewirtschaftete Trinkwasserversorgung“ bezeichnet wird: 2,2 Milliarden Menschen haben keinen Zugriff auf Wasser, das vor Ort vorhanden, bei Bedarf verfügbar und frei von Verunreinigungen ist.

Und dennoch wird an vielen Orten der Welt Wasser auf absurd verschwenderische Weise genutzt. Im vergangenen Jahrhundert ist der weltweite Wasserverbrauch um das Siebenfache gestiegen! Der überwiegende Teil wird in der Landwirtschaft und der Industrie verbraucht und steckt (indirekt) in Lebensmitteln, die wir essen, und in den Produkten, die wir konsumieren. Für die Herstellung eines Baumwoll-T-Shirts werden beispielsweise 2.700 Liter Wasser benötigt – so viel, wie ein Mensch binnen drei Jahren trinken muss. In den USA gehen jeden Tag knapp 23 Milliarden Liter Wasser durch undichte Leitungen verloren.

Wie gegensteuern?

Wichtig ist, dass wir erkennen, wie wertvoll Wasser ist, bevor es in vielen weiteren Regionen der Welt nicht mehr genug davon gibt. Wir müssen unseren Verbrauch reduzieren und anfangen, die Qualität des Wassers, das wir haben, zu schützen. Es gibt eine bestimmte Menge an Wasser, etwa 60 Liter pro Tag und Person, die mit den grundlegenden menschlichen Bedürfnissen verbunden ist. Aber darüber hinaus könnte ein höherer Preis für Wasser Vorteile haben. Regierungen könnten entscheiden, dass Investitionen ihr Geld wert sind, um Wassernetze zu reparieren und aufzurüsten. Unternehmen müssten den Verbrauch und die Kosten von Wasser stärker in ihre Budgetkalkulationen einbeziehen. Die Aufsichtsbehörden sollten befähigt sein, Unternehmen zur Rechenschaft zu ziehen, wenn durch ihre Aktivitäten Schadstoffe in die lokale Wasserversorgung gelangen.

Wir gehen davon aus, dass aus der sich weltweit verschärfenden Wasserknappheit im Verbund mit eklatanten chronischen Unterinvestitionen in die Wasserinfrastruktur langfristige strukturelle Wachstumstreiber entstehen. Der Modernisierungsbedarf dieser kritischen Infrastruktur ist unübersehbar. Doch welche Unternehmen könnten profitieren?

Tetra Tech: Das Beratungsunternehmen Tetra Tech hat sich auf die Bereiche Wasser und Umwelt spezialisiert. Es bietet technische Lösungen für Regierungen und Kunden aus der Privatwirtschaft. Zu den Schwerpunkten gehören Wasserversorgung, Abwasserentsorgung, Management von Wassereinzugsgebieten, Abwasseraufbereitung und Wasserresilienz (darunter fällt die Vorbereitung auf Naturkatastrophen wie Überschwemmungen und Dürren).

Xylem: Die Produkte von Xylem befassen sich mit dem gesamten Lebenszyklus von Wasser, einschließlich seiner Sammlung, Verteilung, Nutzung und Rückführung in die Umwelt. Die Produkte von Xylem werden für den Transport, die Aufbereitung, die Prüfung, die Bewertung und die Messung eingesetzt.

Kornit Digital: Das Unternehmen bietet digitale Drucklösungen für die Bekleidungs- und Textilindustrie. Ihre Drucker arbeiten mit einem 100 Prozent wasserfreien Verfahren, bei dem keine Vorbehandlung, kein Dämpfen oder Waschen erforderlich ist. Ihre NeoPigment-Druckfarben sind ungefährlich, ungiftig und biologisch abbaubar.