Aktien aus Fernost Vier chinesische Megatrends

Im Laufe der Jahre hat sich China zum Motor der Schwellenländer entwickelt. War das Land noch vor knapp 25 Jahren in keinem globalen Index vertreten, ist es mittlerweile zur größten Position im MSCI Emerging Markets Index aufgestiegen. Welche vier Themen Anleger jetzt auf dem Schirm haben sollten, wissen die Experten von Carmignac.

29.07.2021 - 12:0029.07.21 - 12:14
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Börsengang des E-Commerce-Anbieters Vipshop (2012)
Börsengang des E-Commerce-Anbieters Vipshop (2012): Anleger können von der wachsenden Binnennachfrage in China profitieren© IMAGO / Xinhua

China ist die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt und verfügt nach Angaben der Weltbank inklusive sämtlicher börsennotierter chinesischer Aktien über eine Marktkapitalisierung von 19 Billionen US-Dollar. Der Anteil des Reichs der Mitte am globalen Bruttoinlandsprodukt (BIP) beträgt mittlerweile 17 Prozent – damit liegt das Land sogar noch vor den USA.

Der Strukturwandel innerhalb der Wirtschaft sowie der ambitionierte Reformplan der Regierung bieten auch Anlegern langfristige Chancen. „Wir haben vier Megatrends identifiziert, die die Wachstumsmöglichkeiten verdeutlichen“, sagen die Experten von Carmignac.

Digitalisierung und technologische Innovation

China möchte in den kommenden fünf bis 15 Jahren technologisch unabhängig werden. Dafür baut das Land seine eigenen Tech-Riesen auf, die sich mit den westlichen Pendants messen können. „Insbesondere die chinesischen BATX, also Baidu, Alibaba, Tencent und Xiaomi, machen den bekannten US-Tech-Unternehmen FAANMG, also Facebook, Alphabet, Amazon, Netflix, Microsoft und Google, allmählich ihre Vorherrschaft streitig“, meinen die Experten.

Um das Ziel der technologischen Unabhängigkeit zu erreichen, wird China in den kommenden Monaten seine Investitionen in Forschung und Entwicklung (F&E) sowie in die Hightech-Fertigungsbranchen erhöhen. Dazu zählen Halbleiter, Rechenzentren, 5G sowie Photovoltaik und alternative Energien.

„Nach intensiver Analyse haben wir einige Unternehmen entdeckt, die ihres Erachtens nach zu den Marktführern innerhalb ihrer Teilbranche aufsteigen werden.“ Dazu zählen der Entwickler und Betreiber von Rechenzentren GDS Holding, der Software-Anbieter Ming Yuan Cloud und der Computer- und Smartphone-Hersteller Lenovo Group.

Konsumlaune der Mittelschicht

Mit einer Bevölkerung von 1,4 Milliarden Menschen und einem Pro-Kopf-BIP, das nach Angaben der Weltbank bei mehr als 10.000 US-Dollar liegt, gehört China zu den größten Konsummärkten weltweit und spielt eine wesentliche Rolle im globalen Handel. Im jüngsten Fünf-Jahres-Plan hat die Regierung die Expansion des Binnenmarktes verkündet, um den internen Wirtschaftskreislauf zu stärken und den Konsum mittels steigender Kaufkraft und eines sich bessernden Lebensstandards anzukurbeln. Das Reich der Mitte will also künftig nicht nur technologisch, sondern auch nachfrage technisch unabhängig werden, um Hindernisse für Wachstumsambitionen aus dem Weg zu räumen.

„Wir konzentrieren uns deshalb auf Sektoren der New Economy, die in erster Linie auf die Bedürfnisse der wachsenden Binnennachfrage reagieren und aus langfristigen demografischen Entwicklungen Kapital schlagen. Fünf Unternehmen sind uns dabei besonders positiv aufgefallen“, erklären die Experten von Carmignac.  Darunter das chinesische Internetunternehmen JD.com, der E-Commerce-Anbieter Vipshop, die Social-Media-Plattform JOYY, der Bildungsanbieter China East Education und das Bluechip-Unternehmen Haier Smart Home.

Die grüne Revolution

Chinas Bestreben, bis 2060 CO2-neutral zu werden, lenkt die Aufmerksamkeit verstärkt auf die Windenergie. Diese soll nach Angaben von China Wind Power bis 2060 auf drei Milliarden Kilowatt ausgebaut werden. Zudem sollen alle bis 2035 verkauften Neufahrzeuge „umweltfreundlicher Art“ sein. Das Ziel ist, die Herstellung und den Verkauf von herkömmlichen Autos mit Verbrennungsmotoren schrittweise einzustellen.

Dieser Trend dürfte sich beschleunigen, nicht zuletzt da die chinesische Regierung plant, so schnell wie möglich auf umweltfreundliche Technologien umzustellen und die Effizienz der Ressourcennutzung zu verbessern. Die politischen Verantwortlichen in Peking sehen darin nicht nur eine Notwendigkeit, sondern auch eine Chance, im Rennen um die Führungsposition bei sauberen Energien und E-Mobilität maßgeblich mitmischen zu können.

„Wir konzentrieren uns auf zwei Teilsektoren, die von der chinesischen Regierung unterstützt werden sollten“, so die Experten. Dazu zählen mit ENN Energy einer der größten privaten Energiekonzerne und der Hersteller von Photovoltaikglas Flat Glass Group. Im Zuge der E-Mobilität setzen wir zudem nicht auf die herkömmlichen E-Auto-Hersteller, sondern den Luftfahrzeuganbieter Ehang.

Gesundheitswesen und medizinische Innovation

Um den Bedürfnissen einer alternden Bevölkerung gerecht zu werden, tritt China mittlerweile als Innovator im Gesundheits- und Medizinbereich auf. Innerhalb weniger Jahre hat das Land bemerkenswerte Fortschritte gemacht, was unter anderem auf das Programm „China Care“ zurückzuführen ist. Der Ausbau der Innovationskapazitäten, mit dem Ziel niedrigerer medizinischer Kosten und einer effizienteren Gesundheitsversorgung, dürfte der Branche in den kommenden Jahren zu weiterem Wachstumspotenzial verhelfen.

Auch in der Biotechnologie tut sich einiges. Viele chinesische Pharmakonzerne bauen ihre Investitionen in Forschung und Entwicklung weiter aus. Einige Unternehmen haben sich bei ausgelagerten klinischen Studien und der Medizinproduktion bereits als Marktführer etabliert. Andere, darunter private Telemedizin-Plattformen, erlebten während der Pandemie ein rapides Wachstum und haben ihre Effektivität unter Beweis gestellt.

Besonders interessant erscheinen uns der Impfstoff-Anbieter Chongqing Zhifei Biological und das Biotech-Unternehmen WuXi Biologics.

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